Urscheln

By 1. Januar 2018 September 21st, 2019 Archiv Veranstaltungen

Ganz ohne Büttenrede und Blasmusik

Von Jacqueline Geisel 14.02.2018 – 17:55 Uhr

Beim Urscheln im Hennenest kochten am Würfeltisch die Emotionen der Teilnehmer des öfteren über. Foto: Geisel Foto: Schwarzwälder Bote

Die Würfel sind gefallen – und das gleich dutzende Male. In sechs Spielmodi stellten die Teilnehmer am diesjährigen Urscheln ihr Würfelglück auf die Probe.

Spaß am Spiel, gewürzt mit einer gesunden Portion Ehrgeiz, trieb die 32 Männer und Frauen im Hennenest an. Von Hand zu Hand gingen der Becher und die Würfel. Jeder Spieler schüttelte konzentriert, alle am Tisch schwiegen, starrten auf den Becher, auf die Würfel, die gleich fallen sollten. Und dann: Jubelrufe  und Stöhnen, Arme recken sich in die Höhe, Hände werden vor die Augen geschoben. Die Emotionen waren hier ständig am hochkochen.

Trotzdem: Das Motto lautete „just for fun“, wie Ulrich Mansfeld, Vorsitzender der ausrichtenden Urschelstiftung, erklärte. „Die Urschelstiftung versteht sich als gesellschaftlicher Katalysator.“ Die Bürger sollen beim Urscheln zusammenkommen, unbeschwert Spaß haben – unabhängig von Rang und Namen. Die Mission war erfüllt: Die Stimmung hätte nicht besser oder ausgelassener sein können. Niemand nahm eine Niederlage krumm.

Zumal schon die Namen der Spielmodi verrieten, dass es hier nicht gerade bierernst zuging. „Hai de nai“, „nuff und naa“ und „dees und sell“ standen auf den Spielzetteln. Bezeichnungen für echte Schwaben eben. Dahinter verbargen sich jeweils andere Zielsetzungen. So zählten einmal nur Dreier und Fünfer. Bei „D’Nagold na“ musste einer der Würfel vom umgedrehten Becher heruntergepustet werden. Alle sechs Würfelspiele wurden an jedem Tisch durchgespielt.

In der Mitte jedes der fünf Spieltische lag der Preis der ersten Runde: eine „Urschel“. Das Hefegebäck hat die Form eines Herzens und soll die Stadt Nagold symbolisieren. In der Mitte der Oberseite prangt ein Kreis, der für den Schlossberg steht. Den Rand zieren acht kleinere Herzen, jedes steht für einen der acht Stadtteile. Die ein oder andere Urschel überlebte jedoch nicht bis zum Rundenende, sondern fand ihr Schicksal schon während des Würfelns im genüsslichen Verzehr.

Die jeweiligen Sieger aller Gruppen fanden sich für die zweite Runde gemeinsam an einem Tisch ein. Die anderen Teilnehmer versammelten sich um sie und verfolgten gespannt, wer das letzte Würfeln für sich entscheiden würde.

Gewinner erhält Wanderpokal

Auf den Gewinner wartete ein handgearbeiteter Wanderpokal, bestehend aus einer liebevoll gravierten Metalltafel. Fritz Martin hatte ihn angefertigt. Seit 2017 geht das gute Stück durch die Hände der Urscheln-Meister. Zu bestaunen ist es im Bürgerzentrum. Und auf der Rückseite ist nun auch ein neuer Name zu lesen: Heidi Maier. Die Nagolderin konnte das finale Würfeln am Faschingsdienstag für sich entscheiden und eine kleinere Metalltafel als Andenken mit nach Hause nehmen. Damit löste sie den Vorjahressieger Dieter Böhrendt, der sein Glück ebenfalls an einem der Tische versuchte, als Champion ab.

Dass die Urschelstiftung seit ein paar Jahren am Faschingsdienstag zum Urscheln einlädt, ist kein Zufall. Ebenso wenig die Wahl der Lokalität. Das Hennenest habe – wie der Name schon sagt – eine „nestartige Situation“, wie es Ulrich Mansfeld beschrieb. Jeder sitzt hier an seinem Tisch, trotzdem sind alle beisammen. Der ganze, randvoll gefüllte Raum lebt. Und das ganz ohne Büttenrede und Blasmusik. Auch ohne bunte Verkleidungen kommen die Würfler aus. „Wir sind von innen raus lustig“, kommentierte Mansfeld mit einem Grinsen, „wir brauchen keine äußeren Attribute.“

Zum Urscheln anmelden kann sich jeder, allerdings habe sich zwischenzeitlich eine Kerngruppe gebildet. Die Altersgruppe unter 50 vermisste Mansfeld ein wenig unter den Teilnehmern. Trotzdem ist der Andrang auf das ungezwungene Spiel so groß, dass Anmeldungen hätten abgewiesen werden müssen. Das Urscheln ist eben „der Höhepunkt der Nagolder Fasnet“, wie es Mansfeld scherzhaft ausdrückte. Der Erlös des Abends kommt dem Bürgerzentrum zugute

Foto: Urschelstiftung